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Unsere Zeitungen sind schlecht auf digitale Abonnenten vorbereitet

Seit einiger Zeit versuchen die deutschen Zeitungsverlage ihre Digitalstrategien zu verbessern, allerdings ist das Ergebnis bislang meist unbefriedigend – für beide Seiten, sowohl für die Verlage, als auch für die Leser.

Der Versuch der Zeitungen ihre kostenlosen Onlineangebote durch Werbung zu finanzieren, scheitert teilweise am Unwillen mancher Nutzer – durch den Einsatz von Ad-Blockern wird diese einfach herausgefiltert (in Diskussionen bezeichnet manchner Benutzer solcher Adblocker-Lösungen sein Vorgehen gehen Werbebanner sogar als »Notwehr«).
Als nächste Lösung werden u.a. von der SZ und der FAZ Paywalls diskutiert, wie sie die WELT bereits testet. Das Leistungsschutzrecht, das einfach Google dazu verpflichten sollte, für die Verlinkung bei Google News zu bezahlen, darf getrost als gescheitert betrachtet werden – den gewünschten Zweck wird es nicht erfüllen können, es wird allenfalls zum Hilfsmittel für Abmahnanwälte.

Über den Erfolg und Misserfolg digitaler Angebote entscheidet aber auch die Frage, für welche Plattformen ich meine Angebote anbiete. Interessant ist es deshalb, wenn man sich die Angebote für digitale Abos der Zeitungen und Magazine ansieht. Die Süddeutsche Zeitung bietet ihr Digitalabo (also eine elektronische Komplettausgabe der Tageszeitung) als PDF, als Website und als App für iOS-Geräte und Windows 8 an. Bei der FAZ gibt es ebenfalls ein Digitalabo als PDF oder für iOS-Geräte. Die Welt geht aufgrund ihrer »Paywall« etwas anders vor: eine App für alle Plattformen bietet den Abonnenten einen unbegrenzten Zugang zum Onlineangebot, ansonsten gibt es nur PDFs (vor allem für die Welt am Sonntag).

Neuste Statistiken (http://www.mobilegeeks.de/android-in-deutschland-bereits-76-7-prozent-marktanteil/) zeigen, dass in Deutschland längst das Android-Betriebssystem bei mobilen Geräten führend ist – im Mai 2013 lag der Marktanteil bei 76,7 %. Ist es also nicht faszinierend, dass Sowohl SZ als auch FAZ diese Nutzergruppe (mehr als 3/4 des mobilen Nutzermarktes) durch das Nicht-Anbieten einer App für ein Digitalabo ausschließen?

Es darf darüber spekuliert werden, was die Gründe dafür sind. Technische Probleme werden manchmal vorgeschoben – Der Spiegel ist allerdings seit 2011 als Digitalabo auch auf der Android-Plattform erhältlich. Oder ist es ein Nicht-Verstehen des Marktes? Oftmals wird damit argumentiert, dass Android-Nutzer statistisch weniger Geld für Inhalte ausgeben, als es iOS-Nutzer tun. Angesichts der Angebotslage im Zeitungsbereich ist dies verständlich: Wo ich nichts anbiete, kann ich nichts verkaufen. Oder versteht man bei den Zeitungsverlagen immer noch Google als Feind (s. LSR) und verschließt sich deshalb der mobilen Plattform Android?

Eine Antwort kann man derzeit nicht geben. Aber wer mehr als 75% des möglichen Marktes von vorneherein ausschließt, der wird niemals im mobilen Bereich erfolgreich sein.

Autor: Florian Breitsameter | Bei Google+